Die aktuelle Auswertung der sogenannten PURE-Studie (Prospective Urban-Rural Epidemiology), die mehr als 135.000 Teilnehmer einschließt, erfolgte nach einer Beobachtungszeit von etwa 8 Jahren.

Sie konnte bei Personen mit einem bestimmten Ernährungsmuster (nach Alter und Geschlecht abgestimmt) eine beinahe halbierte Sterberate nachweisen. Und selbst nach weiterer Anpassung der einzelnen Kriterien, wie für Bildung, Raucherstatus, körperliche Aktivität, Energieaufnahme, Taille-Hüft-Relation, Diabetes sowie Einnahme von Medikamenten (Cholesterin- und Blutdrucksenker) war die Sterblichkeit der Gruppe mit den gesündesten Ernährungsgewohnheiten immer noch um ein Viertel reduziert.

In dieser PURE-Studie zeigte sich, dass ein hoher Anteil an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Milchprodukten, Fisch und (unverarbeitetem) rotem Fleisch am meisten Einfluss auf die Gesundheit hat.
Auffallend ist, dass in dieser Studie Fleisch und Milchprodukte den gesunden Lebensmitteln zugerechnet werden, anders als etwa bei der „Mittelmeerdiät“, wo ein Konsum von Fleisch und Milchprodukten nur in engen Grenzen empfohlen wird.
Anders als einige andere Studien hat PURE jedoch herausgefunden, dass eine Reduktion von Kohlenhydraten zugunsten frischer, auch fetthaltiger Lebensmittel – einschließlich Fleisch und Milchprodukte – positive Effekte hat. Würde man aus der Studie eine Ernährungsempfehlung ableiten, würde das aber trotzdem nicht heißen, dass man von jeder der 7 gesunden Lebensmittelgruppen exzessiv viel essen sollte. Auf die richtige Mischung kommt es an.
Beim Genuss von Fleisch, Milch und Käse – auch in der Vollfettversion – muss niemand ein schlechtes Gewissen haben, das haben vorhergehende Studien schon eingehend nachgewiesen.
Es gab noch nie eine Rationale für die Empfehlung fettarmer Produkte (wie etwa Milch oder Joghurt), womöglich noch gezuckert und mit künstlichen Aromen angereichert.
„Echte“, frische, unverarbeitete Lebensmittel haben den höchsten Stellenwert, um als gesund gewertet zu werden. Also: Besser Steak, Natur­joghurt und Käse als Hamburger, Torte und Fertig-Lasagne.
Trotz der überzeugenden Daten hinsichtlich der Sterblichkeit kann man aber nicht gleich von einer neuen „PURE-Diät“ sprechen. Es können auch andere Aspekte eine Rolle spielen, die in dieser Studie nicht berücksichtigt wurden: etwa der Salzkonsum oder der Anteil an ungünstigen Fettarten (wie etwa Transfetten).
Auf jeden Fall steht aber der sogenannte „Healthy-Diet-Score“, welcher der PURE-Studie zugrunde liegt, durchaus im Einklang mit den gängigen Ernährungsempfehlungen. Er enthält beispielsweise Obst, Gemüse, Fisch und gesunde Öle. Die Erweiterung durch Fleisch und Milchprodukte ist hierbei neu und im Fall von unverarbeiteten, frischen Lebensmitteln durchaus zu begrüßen. Die Frage ist sollte aber nicht sein, ob mehr Fette und weniger Kohlenhydrate verzehrt werden sollen. Es geht in unserer westlichen Ernährung vielmehr um eine Verbesserung der Fett- und Kohlenhydratqualität und um die Verminderung der generell zu hohen Energiezufuhr. Die Qualität der Lebensmittel sollte möglichst hoch sein, aber generell ist in unserer Überflussgesellschaft weniger mehr.

Dehghan M, Mente A et al; Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study investigators. Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study. The Lancet. 2017 Aug 28. pii: S0140-6736(17)32252-3. doi: 10.1016/S0140-6736(17)32252-3

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